Biographie

Frank Strobel, 1966 in München geboren, wuchs im Umfeld des Kinos seiner Eltern auf und lernte schon früh das Filmvorführen. Entsprechend eng war sein Verhältnis zu Filmen und ihrer Musik, die ihn bis heute fesseln. Mit sechzehn fiel ihm ein Klavierauszug der originalen Filmmusik zu Fritz Langs Meisterwerk METROPOLIS in die Hände, die er neu arrangierte und zum Film spielte. Mit dem Erfolg dieses frühen Metropolis-Projekts, das bis heute sehr viele weitere Aufführungen erlebt hat, waren die Weichen für die künstlerische Ausrichtung gestellt. Die Beschäftigung mit METROPOLIS wurde noch einmal aktuell, als die Filmfassung – nach dem Fund einer Originalkopie 2008 in Buenos Aires – erneut rekonstruiert werden konnte. Strobel war aktiv daran beteiligt, nachdem er zuvor die Partitur des Filmkomponisten Gottfried Huppertz - ebenso wie zu dem zweiteiligen NIBELUNGEN-Film - rekonstruiert hatte. Die mit Spannung erwartete Premiere der endgültig restaurierten Fassung von METROPOLIS mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) unter Leitung von Frank Strobel fand 2010 auf der Berlinale statt und wurde im Kulturkanal arte übertragen sowie auf das Brandenburger Tor projiziert.  

Neben seiner filmmusikalischen Tätigkeit hat Frank Strobel internationale Anerkennung für Erst- und Wiederaufführungen von Werken der Komponisten Franz Schreker, Alexander von Zemlinsky und Siegfried Wagner erlangt. Er überschreitet die Grenzen zwischen beiden Genres, die er ohnehin für überflüssig hält. Nicht zuletzt deshalb fand der große russische Komponist Alfred Schnittke in Strobel einen geistesverwandten Freund und idealen Interpreten seiner Werke: Im Auftrag von Schnittke traf Strobel eine Auswahl aus dessen über 60 Filmmusiken, bearbeitete sie als Suiten für den Konzertsaal und begann gemeinsam mit dem RSB die Werke auf CD einzuspielen, die 2005 und 2006 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurden. Außerdem sind seine drei Klavierkonzerte in der Einspielung mit der Pianistin Eva Kupiec erschienen. Bereits 1992 dirigierte Frank Strobel in der Alten Oper Frankfurt die Uraufführung von Schnittkes Stummfilmmusik zu Pudowkins Filmklassiker DIE LETZTEN TAGE VON ST. PETERSBURG. Er hat außerdem Sergei Prokofjews Musik zum Film ALEXANDER NEWSKI rekonstruiert, ediert und mit dem RSB im Konzerthaus Berlin 2004 uraufgeführt, dem die Aufführung im Bolshoi Moskau folgte. In der Semperoper Dresden fand 2006 die Wiederaufführung von DER ROSENKAVALIER mit der Originalmusik von Richard Strauss statt, deren rekonstruierte Filmpartitur Strobel mit der Sächsischen Staatskapelle erarbeitet hatte. Mit der NDR Radiophilharmonie führte er in der Londoner Royal Albert Hall zum Science-Fiction-Film THE MATRIX die Filmmusik von Don Davis auf, ein Ereignis, dem sich effektvolle MATRIX LIVE - FILM IN CONCERT-Aufführungen anschlossen. 

2014 realisierte Frank Strobel mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France die Uraufführung der neuen Partitur von Philippe Schoeller zum Film J’ACCUSE (ICH KLAGE AN) von Abel Gance im Pariser Salle Pleyel anlässlich des Gedenkens an den Beginn des 1. Weltkriegs. Mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt führte Frank Strobel das Filmkonzert ZUR CHRONIK VON GRIESHUUS auf (2015) und produzierte außerdem die Musik zur preisgekrönten Tatort-Folge „Im Schmerz geboren“.  

In der Saison 2016/2017 erfolgt mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin die Realisierung des rekonstruierten Filmwerkes IWAN GROSNY von Sergei Eisenstein mit der erstmalig vollständig aufgeführten Filmmusik in der Originalorchestrierung von Sergei Prokofjew beim Musikfest Berlin. Mit diesem Filmprojekt wird er außerdem beim Radio-Symphonieorchester Wien zu Gast sein. Neben einer Vielzahl von Filmkonzerten dirigiert Frank Strobel in dieser Spielzeit die NDR Radiophilharmonie und das RSB zu BLANCANIEVES, die NDR Radiophilharmonie zu MATRIX LIVE - FILM IN CONCERT und ROMEO UND JULIA, das Staatsorchester Athen zu METROPOLIS, das Orchestre Philharmonique Luxembourg zu „2001: A SPACE ODYSSEY, die Staatskapelle Weimar zu DAS PHANTOM DER OPER, das Finnish Radio Symphony Orchestra zu DAS NEUE BABYLON, sowie erneut das Radiosinfonieorchester Pilsen für die Weihnachtsproduktion DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL.  

Frank Strobel folgt Wiedereinladungen zum Tonhalle-Orchester Zürich, zum MDR Sinfonieorchester, WDR Funkhausorchester Köln, Qatar Philharmonic Orchestra,  Orchestre National de Lille und zum Grafenegg Festival. Mit dem Rundfunksinfonieorchester Berlin gastiert er für „Die Lange Nacht“ (Fokus 20er Jahre) an der Alten Oper Frankfurt. Ein symphonisches Programm dirigiert er in dieser Spielzeit ebendort (RSB, Solistin: Katia Buniatishvili), sowie am Deutschen Nationaltheater Weimar (Staatskapelle Weimar, Solist: Simon Trp?eski).  

Frank Strobel leistet seit Jahren Pionierarbeit im interdisziplinären Bereich von Film und Musik und ist einer der Protagonisten der Film in concert Bewegung. Durch sein Engagement hat der Stummfilm Einzug in führende Opern- und Konzerthäuser gehalten. Mit seinem fundierten musikalischen Können, seiner vielseitigen Begabung, Sachkenntnis und seinem Engagement hat er sich in der Welt der Filmmusik etabliert. Er verfügt sowohl über umfassende Kenntnis des Konzertrepertoires der Klassik, Romantik und des 20. Jahrhunderts, als auch über eine reiche Erfahrung als Dirigent, Arrangeur, Bearbeiter, Produzent und Studiomusiker.   

Frank Strobel war in den 90er Jahren Chefdirigent des Filmorchesters Babelsberg, ist als Berater für das Stummfilmprogramm von ZDF/arte tätig und seit 2000 künstlerischer Leiter der EUROPÄISCHEN FILMPHILHARMONIE, die er mitbegründete und die sich um eine historisch informierte Aufführungspraxis der Filmmusik verdient gemacht hat.

 

                                                       2016/2017


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